2008 – Die Region um ein Kleinod der Chormusik bereichert

 

NEUNKIRCHEN-SEELSCHEID. Nach einigen kleineren Veranstaltungen und einem Auftritt in Honrath gab das Vokalensemble Seelscheid jetzt zu Hause sein Premierenkonzert. Als Doppelquartett hat sich dieses Ensemble aufgestellt, also vier Frauen- und vier Männerstimmen. Das erfordert natürlich chorische Disziplin eines jeden Einzelnen und – fast schon eine Binse – ein großes Maß an sängerischem Vermögen. Beides war ausreichend vorhanden, durfte während des genussvollen Nachmittags in der evangelischen Kirche Seelscheid festgestellt werden.

Diese Einschätzung ist umso mehr wert, als die Protagonisten auf sehr ansprechende Literatur gesetzt hatten, mit vielen polyphonen Elementen. Und die verzeihen absolut keinen Fehler, erfordern Sensibilität und höchste Konzentration, denn jedermanns Stimme zählt. Da konnte sich Walter Rekowski, der den Kirchen- und Posaunenchor in der evangelischen Kirche leitet und der wirkungskräftige Intermezzi auf der Orgel intonierte („O Welt ich muss dich lassen“, Walther; „Meinen Jesum lass ich nicht“, Reger), auf seine Sängerinnen und Sänger verlassen. Die kennt er recht gut, schließlich entstammen die Seelscheider Heike und Dr. Eberhard Bosse, Brigitte Menestrina, Karl und Dina Becker sowie Margarete Helbig seinem Chor. Dazu gesellen sich der Neunkirchener Dieter Walterscheid und der Eitorfer Markus Wolter, der selbst renommierter Kirchenmusiker, Sänger und Chorleiter ist.

Selbstredend durfte Johann Sebastian Bach im Programm nicht fehlen. Ihm widmete Rekowski den Anfang mit „Jesu, deine Passion will ich jetzt bedenken“ und den glanzvollen Schluss mit „Ach großer König“. Einer der Höhepunkte war das schwer zu singende „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir“ von Mendelsohn-Bartholdy. Wunderbar hatte Rekowski das Ineinandergreifen der Ober- und Unterstimmen herausgearbeitet und es galt, Respekt zu zollen, zu welch geschliffener Dynamik die acht Künstler fanden. Von karger Schönheit war auch der Heinrich-Schütz-Block, bei dem das Ensemble treffsicher die Hoffnung machenden Botschaften um den Herrn malte. Lieder von Max Reger („Wir glauben an einen Gott“ und „Die Nacht ist kommen“), Hugo Distler, Melchior Vulpius und Carl Loewe („Tod, Sünd, Leben und Gnad“) offenbarten nicht nur die Flexibilität des jungen Chores, sondern erlaubten das Fazit, dass die Region um ein Kulturkleinod reicher wurde.