2012 – 4. Benefizkonzert des Vokalensembles Seelscheid

 

Am Sonntag, den 26. August um 17:00 Uhr setzte das Vokalensemble in der Dorfkirche zu Seelscheid mit einem Benefizkonzert zu Gunsten der Neunkirchen-Seelscheider Tafel eine noch junge Tradition fort. Es war immerhin schon das vierte Benefizkonzert.

Das Ensemble – ein Doppelquartett unter der Leitung von Walter König – spannte einen weiten musikalischen Bogen vom Frühbarock bis in die Gegenwart.

Zu Beginn des Konzertes stellte sich das Vokalensemble im Altarraum auf und sang dann den fünfsprachigen Kanon „Good Evening to you“ von Robert Sund. Nach einem Durchgang der fünf Teile unisono schritten dann die Stimmen singend durch den Mittelgang nach hinten und entschwanden auf die Empore – Pfarrer Schleef, dem Schirmherrn der Tafel, Gelegenheit zu einer kurzen, herzlichen Begrüßung gebend.

Das eigentliche Programm begann dann mit Heinrich Schütz. Das 5-stimmige „Also hat Gott die Welt geliebt“ erklang kräftig und bestimmt, dabei dynamisch klar differenziert.

Es folgte „Das Blut Christi“ für Sopran, Tenor und Bass Solo aus den „Kleinen geistliche Konzerten“, das bei sparsamem Text durch die immer wieder kunstvoll verwobenen Stimmen über einem schlichten Orgelkontinuo beeindruckt und das von den drei Interpreten feinfühlig gemeistert wurde.

Abschluss des „Schütz-Blocks“ bildete die 6-stimmige Motette „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“. Diese prachtvolle Huldigung an den Schöpfer, in der sich die drei Frauenstimmen mit den drei Männerstimmen und dem Tutti abwechseln, demonstriert die Schütz eigene Polyphonie und Rhythmik ebenso wie klar lautmalerische Komponenten, wenn z.B. Aufgang und Untergang der Sonne in einem großen Bogen erklingen. Hier hatte das Ensemble ohne Zweifel einen seiner Glanzpunkte gesetzt.

Markus Wolters leitete dann mit dem Triosatz aus Johann Sebastian Bachs „Praeludium patheticum“ g-moll, BWV 861 zum „Bach-Block“ über.

Zunächst sang das Ensemble zwei Choralsätze: „Verleih uns Frieden gnädiglich“ und „Sollt ich meinem Gott nicht singen“. Die Texte stammen einmal von Bach selbst, und im zweiten Choral vom großen Lieddichter Paul Gerhard. Die textlich und kompositorisch nahezu gegensätzlichen Charaktere der beiden Choräle wurden mit erstaunlicher Präzision und klanglicher wie textlicher Verständlichkeit herausgearbeitet.

Als Abschluss dieses Programmteils erklang dann die Motette „Jauchzet dem Herren alle Welt“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy – eigentlich ja ein Romantiker, der aber wegen seiner großen Verehrung seines Vorbilds J.S. Bach durchaus in diesen Rahmen gehörte -Mendelssohn hatte als erster im 19. Jahrhundert mit seiner historischen Wiederentdeckung der „Matthäuspassion“ die Praxis der Bach-Aufführungen neu begründet. Auch hier musste sich das Ensemble in Einzelstimmen aufteilen – der Mittelteil ist 8-stimmig gesetzt -, was eindrucksvoll und mit ausgewogenem Klang wunderschön gelang.

Es folgte nun der „Romantik-Block“, von der Orgel mit dem „Präludium in A-Dur“ von Adolph Friedrich Hesse eingeleitet.

Nach dem gut bekannten „Locus iste“ von Anton Bruckner erfasste das Ensemble erneut die ganze Bandbreite der chorisch verfügbaren Höhen und Tiefen mit einer berührenden Interpretation des 6-stimmigen Abendlieds von Joseph Rheinberger „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“.

Es folgte eine kleine Motette von Moritz Hauptmann „Du bist ja doch der Herr“ – vom Unisono am Anfang bis zu diffizilen Stimmaufteilungen problemlos gemeistert.

Mit Max Regers „Lass mich dein sein und bleiben“, einem kurzen aber dynamisch und klanglich äußerst anspruchsvollen Stück, schloss das Vokalensemble diesen Programmteil ab.

Das „Ariose F-Dur“ für Orgel von Robert Jones, einem zeitgenössischen Komponisten, leitete dann den letzten Teil mit Werken aus dem englischsprachigen Raum ein.

Zunächst erklangen drei Stücke von John Rutter (geb. 1945): „God be in my head“, „A Gaelic blessing“ und „I will sing with the spirtit“. Rutter versteht es meisterhaft, Komponenten des anglikanischen Chorals mit Anklängen des amerikanischen „Spirituals“ zu vereinigen – keine geringe Herausforderung für einen Chor, die das Vokalensemble jedoch mit freudigem und rhythmisch untadeligem Engagement meisterte. Besonders im letzten Stück schwebten die teilweise solistisch singenden Soprane geradezu sphärenhaft über der unaufdringlichen aber drängenden Orgelbegleitung.

Nach Schlussworten und Segen durch Pfarrer Schleef erklang dann der Anglikanische Choral „Abide with me“ von William Henry Monk. Nach der ersten Strophe, vom Vokalensemble in Englisch gesunden, fiel dann die Gemeinde mit zwei Strophen in Deutsch, von Orgel und Ensemble begleitet, mit begeistertem, vollen Klang ein und schloss damit dieses Benefizkonzert ab.

Der anschließende herzliche, kräftige und langandauernde Applaus nötigte das Vokalensemble zu einer Zugabe. Hierzu kam das Ensemble erneut von der Empore herab und sang im Altarraum „An Irish Blessing“ von James E. Moore.

Schließlich beendete das Vokalensemble mit 2 Strophen des Abendlieds von Melchior Vulpius „Hinunter ist der Sonnenschein“.

Wieder einmal hat das Vokalensemble Seelscheid bewiesen, dass es nicht nur unterschiedlichste Literatur beherrscht, sondern auch dass die Sängerinnen und Sänger musikalische Herausforderungen annehmen und in bemerkenswerter Weise darbieten können.

Walter König hatte seinen Chor stets „im Griff“ und leitete die Darbietungen sensible wie fordernd zu einer außergewöhnlich großen Klangfülle bei stets durchsichtiger und textverständlicher Interpretation.

Das gut besuchte Konzert war nicht nur für Interpreten wie Zuhörer ein voller Erfolg sondern auch für die Neunkirchen-Seelscheider Tafel: Der Erlös des Abends – runde 700,00 € – soll vor Allem den Kindern der Tafel-Gäste zu Gute kommen.