2013 – 5. Benefizkonzert des Vokalensemble Seelscheid

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Foto: Johanna Menestrina

 

Am Sonntag, den 1. September 2013 veranstaltete das Vokalensemble Seelscheid das inzwischen 5. Benefizkonzert zu Gunsten der Neunkirchen-Seelscheider Tafel.

Zusammen mit dem Renaissance-Ensemble Bonn unter der Leitung von Kristian Gerwig und mit der Pianistin Karin Engels wurden sakrale und weltlich Gesang- und Instrumentalstücke aus 6 Jahrhunderten zum Klingen gebracht. Peter Lorber schreibt dazu in der Kölner Rundschau:

„Einen kaleidoskopischen Blick in die Musikgeschichte gewährten die Protagonisten. in der ersten Hälfte von der Renaissance hinzum Barock; nach der Pause streiften sie die Romantik und zeitgenössisches Schaffen.“

 

Das Programm begann mit einem Kanon von Michael Praetorius „Viva la musica“, bei dem das Vokalensemble die Zuhörer zum aktiven Mitsingen einlud. Der Kanon leitete unmittelbar über in das Madrigal „O Musica“ von Paul Peuerl.

Nach einem Zwischenspiel des Renaissance-Ensembles, das die Paduan von Samuel Scheidt erklingen ließ, folgten drei Chorsätze aus dem weltlichen Repertoire: „Tanzen und Springen“ von Hans Leo Haßler, „Wohlauf gut G`sell von hinnen“ von Caspar Othmayr und „O Herr hilf“, einem Solo Terzett für 2 Soprane, Tenor und Continuo, das die drei Solisten Brigitte Menestrina, Ute Mans und Dieter Walterscheid mit wunderbarer Klarheit intonierten – von Karin Engels amKlavier sensibel und sicher begleitet. Peter Lorber: „…elegant führten Dieter Walterscheid, Brigitte Menestrina und Ute Mans (Sopran) Heinrich Schütz‘ ,,0 Herr hilf‘ aus; das Bündnis zwischen dem Belcanto-Tenor und den beiden Frauenstimmen war wie die übrigen Darbietungen an der oberen Grenze des für Laien Machbaren.“

Anschließend musizierte das Renaissance-Ensemble feinfühlig und gleichzeitig prägnant drei kleine Tänze von Samuel Scheidt.

Es folgten drei Beispiele aus der Kirchenmusik: Zunächst das Duett der Königin und ihres Gatten Salomon aus dem gleichnamigen Oratorium von Georg Friedrich Händel „Lieblich wie der Sonne Pracht“, von Brigitte Menestrina und Hans-Eberhard Bosse vorgetragen, dann die fünfstimmige Choralfuge „Psallite Deo nostro“ von Johann Sebastian Bach und schließlich – als kleiner Kontrast – das „Jubilate“ des 1998 verstorbenen Gordon Young.

Dazu schreibt Peter Lorber: „Bewundernswert funktionierte (im Duett) der Dialog, die behutsame Ausführung schlich sich ins Gemüt. Respekt verdiente hier die Pianistin Karin Engels für ihre subtile Begleitung. Das komplette Ensemble – neben den Genannten die Altistinnen Margarete Helbig und Petra Eckes (sowie Volker Reininghaus, Bass)- begeisterte mit Bachs fünfstimmigem „Psallite Deo nostro“.“

Der erste Teil des Konzerts endete mit dem sechsstimmigen „Hosianna to the Son of David“ von Thomas Weelkes – hier ausgeführt mit drei Instrumenten und drei Gesangssolisten (Sopran, Tenor, Bass).

Zum ersten Mal wurde das Konzert durch eine Pause unterbrochen, in der auch Getränke angeboten wurden. Viele Konzertbesucher nutzten diese Gelegenheit auch zu angeregten Gesprächen.

Nach der Pause erklangen vier zeitgenössische Kompositionen aus dem englischsprachigen Raum: „A Clare Benediction“ von John Rutter, „Steal away“ von William L. Dawson, „Hear my prayer“ von Moses George Hogan und „Soon ah will be done“ von Diane Kolander. Die letzten drei Stücke sind Chorbearbeitungen von Spirituals aus dem Süden der USA.

Abgerundet wurde dieser Teil – als Rückgriff auf die Renaissance – durch das Madrigal „Too much I once lamented“ von Thomas Tomkins – erneut mit drei Instrumenten und drei Vokalsolisten dargeboten. Hier zeigte sich ganz besonders das gekonnte und äußerst gelungene Zusammenspiel der Instrumente mit den Stimmen.

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Foto: Johanna Menestrina

 

Den Abschluss des Benefizkonzerts bildete ein Block mit drei heiteren Chorsätzen: „Die Beredsamkeit“ von Joseph Haydn, „Der bucklichte Fiedler“ von Johannes Brahms und „Das Huhn und der Karpfen“ von Hans Poser.

Nach einem herzlichen, kräftigen und langandauernden Applaus fügte das Vokalensemble noch zwei Zugaben an: „Viva la musica“ von Eröd und „Abide with me“ von Moore.

 

Erneut hat das Vokalensemble Seelscheid bewiesen, dass es nicht nur unterschiedlichste Literatur beherrscht, sondern auch, dass die sieben Sängerinnen und Sänger musikalische Herausforderungen annehmen und in bemerkenswerter Weise darbieten können.

Walter König hatte seinen Chor stets „im Griff“ und leitete die Darbietungen sensibel wie fordernd zu einer außergewöhnlich großen Klangfülle bei stets durchsichtiger und textverständlicher Interpretation. Die Ergänzung der Vokalmusik durch Instrumente aus der Renaissance (Flöten, Dulcian, Gambe, Posaune) ebenso wie die einfühlsame Klavierbegleitung war nicht nur gelungen sondern eine deutliche Bereicherung des Programms. Dies gilt besonders für die beiden Madrigale, in denen Instrumente und Sänger gleichwertige Parts übernahmen.

Das gut besuchte Konzert war für die Interpreten und Zuhörer – aber auch für die Tafel – ein voller Erfolg. Der Erlös des Abends – runde 1.000,00 € – wird vor Allem den Kindern der Tafel-Gäste zu Gute kommen.

Einen entsprechenden Scheck konnten Walter König und Dr. Hans-Eberhard Bosse am 3. September der Leiterin der Neunkirchen-Seelscheider Tafel, Frau Marie-Louise Heinen übergeben.

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Foto: Christine Bosse