Evensong

 

Der Begriff „Evensong“ entstammt der Anglikanischen Kirche Großbritanniens, geht aber auf eine alte Praxis der katholischen Kirche zurück. Er bezeichnet ein (tägliches) gemeinsames Abendgebet, das neben Gebeten und Lesungen vor allem liturgische aber auch freie Gesänge (Anthems) enthalten kann.

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Cathedral Choir

 

Mit dem Evensong präsentiert sich jeden Tag aufs Neue die ganze Fülle einer spezifisch englischen Kunst vom gregorianischen Choral bis zu den Kompositionen der Gegenwart.

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Salisbury Cathedral

 

Die großen Kirchen und Kathedralen unterhalten in der Regel eine Cathedral Choir School, ein Internat, dessen Schüler (und inzwischen auch Schülerinnen) eine Gesangsausbildung erhalten und für den täglichen liturgischen Einsatz eingeteilt werden.

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„Kleiner Chor“ beim Evensong

 

Sie gestalten auch die Evensongs, die einem relativ geregelten Ablauf folgen:

  • die Preces and Responses wechseln täglich bis wöchentlich, je nach Chor
  • die Service-Kompositionen wechseln meist täglich
  • in den großen Kirchen zieht der Chor häufig singend oder von der Orgel begleitet ein
  • es werden bis zu drei Psalmen gesungen, die immer vom Chor mehrstimmig vorgetragen werden
  • Das Anthem wird aus der großen Auswahl aus fünf Jahrhunderten gewählt und kann daher von einer bis zu zehn Minuten dauern. Anthems mit Orgelbegleitung und rein vokale Anthems sind die Regel, nur selten erklingen Anthems mit instrumentaler Begleitung
  • Die Gemeinde nimmt am Evensong nur in geringem Maße teil. Das Glaubensbekenntnis sowie ein Vater unser werden gemeinsam gebetet. In manchen Kirchen wird zu Beginn des Evensong um die Vergebung der Sünden gebeten und eine Absolution durch den Priester erteilt. Ebenso wird der Evensong in manchen Kirchen mit dem Segen beendet.
  • Einzig der Hymnus, der zwar liturgisch nicht festgelegt ist, sich aber im 20. Jahrhundert am Ende des Evensong positionieren konnte, wird von Gemeinde und Chor gesungen. Der Chor zieht während eines Orgelstückes aus der Kirche aus

 

Neben den anglikanischen Gemeinden außerhalb Englands finden der Evensong und seine Idee auch wieder Einzug in die katholische Tradition, nachdem dieser vor etwa fünf Jahrhunderten genau jener entsprang. Die Notwendigkeit einer Gottesdienstreform erkannten auch hier nicht die Kleriker selbst, sondern die Kirchenmusiker vor Ort, wie es auch schon für das 19. Jahrhundert in England beschrieben wurde. Die Kirchenmusiker der katholischen Tradition suchen eine Gottesdienstform, die den Menschen im Stress des Alltags wieder zur Ruhe bringen und ihn zu sich selbst zurückführen kann. Die Tradition des Stundengebets wird seit einiger Zeit in vielen Gemeinden zumindest in der Fastenzeit (hier vornehmlich die Laudes) wieder aufgegriffen, auch die Sonntagsvesper findet mancher Orts statt. Im Kölner Dom wurden während der Feierlichkeiten zum Domjubiläum im August 1998 regelmäßige Kompletfeiern zelebriert, die sich bei den Chören wie bei den Gottesdienstbesuchern solcher Beliebtheit erfreuten, dass die Idee entstand, eine Komplet als abschließendes Gebet des Tages in der Kathedrale zu installieren.

So finden seit 2005 regelmäßig Chorvespern im Kölner Dom statt.

Auch in der katholischen Pfarrgemeinde St. Georg in Seelscheid wird seit einigen Jahren ein Evensong gefeitert. Allerding nicht täglich sondern in relativ großen Abständen. Hier hat der Evensong jeweils ein Thema, das durch Lesungen und Meditationen entwickelt und musikalisch ergänzt wird. Seit zwei Jahren hat das Vokalensemble Seelscheid mehrere dieser Evensongs im jeweiligen Thema musikalisch gestaltet. Hierbei wurde auch immer die Gemeinde mit einbezogen, indem Choräle entweder im Wechsel oder mit mehrstimmiger Begleitung durch das Ensemble erklangen.

Das enge Zusammenwirken von Pastor/Priester, Gemeinde und Chor betont, dass Gottesdienst nicht gestaltet sondern gemeinsam gefeiert wird. Diesem Gedanken kann sich das Seelscheider Vokalensemble freudig verschreiben.